Archiv für Mai 2012

Vortrag und Diskussion: der 8. Mai

Antifacafe #1
6. Mai, Pizzeria (edizione-antifa), Beginn 19h – Mühlfeldgasse 12
7.Mai, Beginn 20h – HUS, Rathausstr. 19-21

Nach dem 8. Mai 1945 stellte sich die Identifikation mit dem eigenen nationalen Kollektiv als problematisch dar. Der positive nationale Bezugsrahmen ging in Anbetracht des Ausmaßes der deutschen Verbrechen verloren. Die völkische Raserei der deutsch-österreichischen Volksgenossen forderte 6 Millionen tote Jüdinnen und Juden. Um die Möglichkeit der Identifikation mit der Nation nicht zu verlieren, entwickelte sich in der österreichischen Gesellschaft nach 45′ ein „sekundärer Antisemitismus“, der sich durch Schuld- und Erinnerungsabwehr, Relativierung, Verharmlosung oder Leugnung deutscher Verbrechen auszeichnete.

Dieses Jahr feiern nicht nur AntifaschistInnen den 8. Mai als Befreiungstag vom Nationalsozialismus, auch von staatsoffizieller Seite hört man Verlautbarungen, den 8. Mai „als Tag der Befreiung von der Nazi-Diktatur am Heldenplatz feierlich zu begehen“ (Spindelegger/ÖVP). Aus linksradikaler Perspektive wollen wir uns die Frage stellen, ob diese Modernisierung der Erinnerungskultur eine neue Form der TäterInnen/Opfer Umkehr darstellt und die Lüge vom „anifaschistischen“ Österreich als erstes „Opfer“ des Nationalsozialismus weiter fortbestehen lässt? Doch auch der linken Zivilgesellschaft, und solchen die es noch werden wollen, geht es nicht darum, „den Anfängen zu wehren“ oder ein „Nie wieder!“ zu untermauern, sondern um das identitäre Bedürfnis, mit sich selbst und dem nationalen Zwangskollektiv einen ‚produktiven’ Frieden zu schließen und eine Identität zu gewinnen, die eins in den alltäglichen Auseinandersetzungen des kapitalistischen Alltags schwerlich produzieren kann; mit der sich aber leben lässt. Das „bessere“ Österreich bleibt schließlich immer noch Österreich.

Wir wollen bei dieser Veranstaltung die nationale Inszenierung der Geschichte sowie die Zwangsvergemeinschaftung der Individuen unter das Kollektiv in den Fokus der Kritik rücken und uns die Frage stellen, wie eine linksradikale Intervention am 8. Mai aussehen könnte.