Archiv für Oktober 2013

[05.11.2013] Völkisches Krisenmanagement in Ungarn. Zur antisemitischen und antiziganistischen Entwicklung in der ungarischen Gesellschaft

Vortrag und Diskussion mit Karl Pfeifer, Wien

Seit dem Regierungswechsel von der sozialdemokratischen Partei (MSZP) zur rechten Fidesz-KDNP von Ministerpräsident Viktor Orbán 2010 ist in Ungarn Ethnonationalismus zunehmend strukturierendes Moment der offiziellen Politik geworden. Während auf dem Gebiet der Politik die Fidesz-KDNP mit der rechtsextremistischen Jobbik-Partei konkurriert, gibt es weitgehende ideologische Übereinstimmung zwischen den beiden Parteien. Die Regierung versucht, sich im Ausland als Beschützer der Juden und Förderer der Roma darzustellen, während sie im Inland oft gemeinsame völkische Sache mit Jobbik macht bzw. deren Vorschläge verwirklicht. Einige regierungsnahe Medien betreiben offene rassistische Hetze. Neonazibanden können in Ungarn in dicht von Roma bewohnten Orten unbehelligt aufmarschieren und deren BewohnerInnen bedrohen und schikanieren. Direkte Angriffe auf Jüdinnen und Juden, etwa die Forderung nach einer Auflistung aller jüdischen Abgeordneten im Parlament nehmen zu. In der Wirtschaftspolitik wird eine regressive Nationalisierungsstrategie verfolgt, die mithilfe antisemitischer Töne Stimmung gegen das Finanzkapital macht. Währenddessen geht Orbáns Regierung gegen die Armen der Gesellschaft, insbesondere gegen Obdachlose und Roma, vor.

Der Journalist Karl Pfeifer beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Wiedererstarken von Antisemitismus und Antiziganismus in Europa. In Wien gehört er dem Kuratorium des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands (DÖW) an und recherchiert dort zu neonazistischen Bewegungen. Er war jahrelang Redakteur der Gemeinde , des Organs der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, und Korrespondent des israelischen Radios. Im Frühjahr 2013 veröffentlichte er sein autobiografisches Buch Einmal Palästina und zurück.

05.11.2103
19 Uhr
dasBaeckerei (Tannengasse 1/Ecke Felberstraße, 1150 Wien)

[29.10.2013] 1# Antifa Café nach der Sommerpause

Da.Sein
Filmpräsentation mit anschließender Diskussion mit den Filmemacher_innen

Die Schauplätze von Da.Sein sind u.a.: Sokodé, zweitgrößte Stadt Togos, in den 1990er-Jahren Widerstandshochburg gegen das repressive Regime von Präsident Gnassingbé Eyadéma. Die 20-Millionen-Metropole Lagos, aus der Perspektive eines Hinterzimmers, eines Fußballplatzes und eines fahrenden Autos. Ein Refugee-Protestcamp in Hamburg. Wien: Ottakring, Favoriten, Westbahnhof, eine Sportanlage.

Unter den Protagonist_innen: eine Krankenpflegerin und ihr Sohn. Ein Fußballspieler. Ein ehemaliger Chauffeur, der gerne Busfahrer wäre. Die Betreiberin einer kleinen Schneiderei. Eine Bleiberechtsaktivistin und Familienversorgerin. Ein beliebter Party-DJ. Mit ihnen haben Aylin Basaran und Hans-Georg Eberl Interviews geführt und sie einen Monat lang mit der Kamera in ihrem Alltag begleitet. Die Erzählungen handeln von traumatischen Gewalterfahrungen und auseinandergerissenen Beziehungen, von verlorenen Hoffnungen und Rechten. Von behördlichem Rassismus und Zermürbungsterror „da“ und politischer Verfolgung „dort“, aber auch von Widerstand und Solidarität. Und von Versuchen, sich durch den erzwungenen Bruch im eigenen Leben nicht unterkriegen zu lassen.

Die Abschiebung von Menschen aus Europa ist alltägliche institutionelle Praxis. Da.Sein will eine Plattform sein für jene Stimmen, die Teil der europäischen Gesellschaften waren, aber durch das gewaltsame Herausreißen unsichtbar gemacht wurden. Der Film behauptet keinen Anspruch dokumentarischer Neutralität, sondern verschreibt sich einer parteiischen und solidarischen Perspektive, ohne dabei den Blick für die unterschiedlichen Facetten subjektiver Erfahrungen und Handlungsstrategien seiner Protagonist_innen zu verlieren.

Dienstag 29.10.2013
19:00 Uhr
das Bäckerei