Kritik als Verrat. Nachtrag zu unserem Bericht über die Aktionen am 17.05. in Wien.

Nach der Veröffentlichung unseres Berichts zu den Aktionen am 17.05. in Wien wurde ein Absatz aus unseren Text von verschiedenen Personen als „unsolidarisch“ und „spalterisch“ dargestellt. Das aus dem Kontext gerissene Zitat versucht sich aber nicht, von repressionbetroffenen Antifaschist_innen aus dem Umfeld des OgR zu distanzieren (die es selbstverständlich auch gab), sondern eine Kritik am Demokonzept der Offensive gegen Rechts zu formulieren.

Die Formulierung, dass es „autonome Antifaschist_innen“ gewesen seien, die versuchten, den Aufmarsch der Identitären zu blockieren, ist in der Tat etwas unglücklich. Insofern ist selbstverständlich den Antifaschist_innen aller Umfelder zu danken, die den OgR Demozug verlassen haben und sich dem identitären Aufmarsch direkt in den Weg gestellt haben! Es ist aber wiederholt festzuhalten, dass die Demostrategie der OgR es verunmöglicht hat, den Aufmarsch – wie angekündigt – zu blockieren. Die Kritik, dass es ein Versagen der Demoleitung war, soll nicht als personalisierte verstanden werden. Die Tatsache, dass die Demo der Identitären parallel weiterlief und die Demo der OgR nicht aufgelöst wurde, liegt zwar in der Verantwortung der Demoleitung – kritisiert wird aber die Bündnisstruktur, welche die notwendige Auflösung der Demo augenscheinlich nicht zugelassen hat. Witz- und pointenlos ist allerdings, dass das Resumé dieser erfolglosen Blockadeversuche, als Erfolg verkauft wird. Wir ziehen daraus die Konsequenz, dass die Selbstbeweihräucherung der Debatte um antifaschistische Praxen in Wien weichen muss. Kritik wird als Verrat an der antifaschistischen Sache dargestellt und das ist immerhin ein Umstand den man als radikale Linke nicht hinnehmen kann.

Neben der notwendig zu führenden Debatte über Praxen der antifaschistischen Linken, muss jetzt der Umgang mit von Repression betroffenen Menschen im Zentrum stehen. 37 Festnahmen (Stellungnahme/Nachbereitung der Rechtshilfe) mit teils schweren Vorwürfen müssen Unterstützung finden. Es darf nach dem unsäglichen Fehler im Zuge der Proteste des 24. Jänner nicht erneut passieren, dass die Frist für Maßnahmebeschwerden versäumt wird. Deshalb werden wir demnächst gemeinsam zu einem öffentlichen Treffen einladen.

Für eine starke streitfähige Linke!

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